Greiz-Reinsdorf

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Mit guten Freunden feiern – Reinsdorf und Widdern pflegt Partnerschaft

Am vergangen Freitag, 02.Oktober 2009, starteten in Reinsdorf 56 Erwachsene und 13 Kinder mit Reisebus und PKW zum Besuch ihrer Partnergemeinde Widdern in Baden-Württemberg. 

Was Anfang der 1950er Jahre durch die Kirchen im Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands als Vermittlung zu den Landeskirchen in der DDR begann und Partnerschaften der Kirchen in beiden deutschen Staaten zum Inhalt hatte, existierte bis zur Wende 1989 aufgrund der politischen Verhältnisse nur zwischen den Kirchgemeinden.
Wie Reinsdorf zu Widdern vermittelt wurde, ist nicht bekannt. Pfarrer Otto Witt, Pfarrer in Widdern ab 1948, stellte aber mit Freude fest, dass sein Kollege Eberhart Albrecht, Pfarrer in Reinsdorf von 1949 bis 1957, mit ihm gemeinsam am theologischen Seminar in Tübingen studiert hatte. Bis 1977 ist wenig über eine Zusammenarbeit bekannt und erst als Pfarrer Niels Hueck (Widdern) am 9. Januar des selben Jahres seinen Kollegen Helmut Warmuth (Reinsdorf) vorschlägt das "Schiff wieder flott zu machen" beginnt eine engere Zusammenarbeit. Bis zum
Fall der Mauer und der Grenzöffnung am 9. November 1989 beschränken sich die Besuche auf die Pfarrer beider Gemeinden. Ein aus Hof organisierter Bus holt dann am 10. Dezember 1989 Reinsdorfer Gemeindeglieder zu ihrem ersten Besuch nach Widdern und es findet ein gemeinsamer Dankgottesdienst am 2. Advent in der Laurentiuskirche (Widdern) statt. Am 19.-20. 1990 beschließen dann Gemeinderäte aus Widdern und Reinsdorf, hier in Reinsdorf, die Partnerschaft der bürgerlichen Gemeinden. Am 29. September 1990 unterzeichnen die beiden Bürgermeister Wilhelm Frey (Widdern) und Werner Hoffmann (Reinsdorf) die Partnerschaftsurkunde und pflanzen gemeinsam eine Linde der Freundschaft vor der Wilhelm-Frey-Halle in Widdern. Die Partnerschaftsurkunde beginnt mit folgenden Zeilen: „Geleitet von der Hoffnung und dem Willen auf eine gemeinsame friedliche und blühende Zukunft aller Menschen in einem vereinten Deutschland gründen die Stadt Widdern und die Gemeinde Reinsdorf am heutigen Tage eine Partnerschaft. ...“
Seither besteht eine enge Bindung und es finden turnusmäßig Besuche statt.

Dem letzten Gastbesuch aus Widdern im Mai 2007, hier verbrachte man den Samstag auf der Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg, folgte nun besagter Gegenbesuch.

Nach der Abfahrt an der Reinsdorfer Kirche, einer obligatorischen Kaffeepause mit hausbackenem Kuchen, Fettbrot und Obst auf einem Rastplatz der Autobahn, folgte eine Fahrt ohne Stau mit einer Ankunft zur vereinbarten Zeit auf dem Marktlatz vor der Kirche in Widdern. Nach der Abholung durch die Gastgeber folgte ein Abend in den Familien.

Am Samstag ging es dann am frühen Morgen mit einem zusätzlichen Bus zur Besichtigung und Führung des Schlosses in Neuenstein. Das Schloss Neuenstein steht in der Mitte der Stadt Neuenstein. Als Sitz der Adelslinie Hohenlohe-Neuenstein erbaut, beherbergt es heute ein Schlossmuseum und mit dem Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein das vom Land Baden-Württemberg betreute gemeinsame Hausarchiv des Hauses Hohenlohe. Nach der Führung ging es nach Schwabbach ins Weingut Weihbrecht. Hier wurde in einem typischen württembergischen Besen das Mittagessen eingenommen. Ein Besen (Besenwirtschaft) ist ein von einem Winzer oder Weinbauern nur zeitweise geöffneter Gastbetrieb, in welchem vorwiegend Wein und einfache Speisen aus eigener landwirtschaftlicher Produktion angeboten werden. Schlachterplatte und Wein aus dem Hohenloher Land kitzelte unsere Gaumen.

Anschließend erfolgte eine Trennung nach Interessen. Eine Gruppe fuhr nach Pfeddelbach, besuchte dort das Weinbaumuseum und nahm an vier Stationen an einer Weinprobe teil. Die andere Gruppe fuhr nach Löwenstein und konnte dort in den Weinbergen spazieren gehen. Bei herrlichem Wetter konnten die Reinsdorfer einen Blick von den Höhen über das Sulmtal und den Breitenauer See genießen. Nach Kaffe und Kuchen auf der Terrasse der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein ging es zur gemeinsamen Abendveranstaltung ins Landhotel Küffner in Pfeddelbach. Im festlich geschmückten Saal, etwa 130 Gäste hatten Platz genommen, erfolgte zunächst der offizielle Teil. Zu Beginn erfreute die Gäste der Reinsdorfer Kirchenchor. Unter großem Beifall brachten auch die Kinder unter Leitung von KMD Wolfram Otto sieben Liedstücke aus einem Kinder-Musical zu Gehör.

Nach den Grußworten beider Kirchen- und Gemeindevertretungen verabschiedete Ortsteilbürgermeister Michael Hendel seinen langjährigen Amtsvorgänger Volkmar Beck auch vor der Partnergemeinde aus seinem Amt.
Im Anschluss an das Festmahl stand eine große Tanzfläche zur Verfügung. Tanzmuffel konnten ihr Können auf der hauseigenen Kegelbahn unter Beweis stellen und Zeit für Gespräche mit Bürgern und Kommunalpolitikern aus Widdern und Unterkessach, einem Stadtteil von Widdern, gab es allemal.

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Der Sonntag begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der evangelischen Kirche Unterkessach. Der Reinsdorfer Chor und Kantor Otto zogen nochmals alle Register. Erstaunlich, so die Unterkessacher, was ihrer Orgel so zu entlocken sei. Es folgte das Mittagessen in den Gastfamilien und wer Zeit hatte gönnte sich noch einen Spaziergang durch die kleinste Stadt Baden-Württembergs mit ihren etwa 2000 Einwohnern. Idylle par Excellenze, harmonisch eingebettet in die freundliche und waldreiche Natur des Jagst- und Kessachtals mit mittelalterlichem Fachwerk und einer langen Geschichte.

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Kurz nach 14.00 Uhr startete dann die Rückfahrt nach Greiz. Zuvor überreiche man noch die Gastgeschenke, eine Bank mit Widmung, hergestellt vom Reinsdorfer Zimmermann Ulf Horlbeck und eine Decke für den Taufstein. Abschied von guten Freunden fällt nicht leicht und so wurde als kleiner Trost der Rückbesuch in Reinsdorf im Jahr 2011 mehrfach erwähnt. Ein Highlight ist schon jetzt in Planung und soll die Wartezeit verkürzen. Nachdem Helmut Arzt und Frieder Rohleder im Frühsommer diesen Jahres mit dem Rad von Greiz nach Widdern über 350 Kilometer radelten, stellt der Widderner Bürgermeister für 2010 einen Gegenbesuch gleicher Art in Aussicht.

Ein großes Dankeschön an alle Helfer und Unterstützer sowie die Stadt Greiz für die Ausreichung der beantragten Fördermittel für den Reisebus.

Michael Hendel

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