Greiz-Reinsdorf

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Der Ortsteil Reinsdorf

Reinsdorf entstand in einer Zeit, in der solche adligen Herren regierten, die hiesige Ländereien mit ganzen Dörfern, Wäldern, Feldern und Weiden ihr Eigen nannten. Die Menschen selbst hatten sie zu Hörigen und Leibeigenen gemacht. Sie befehdeten sich gegenseitig oder unternahmen Eroberungszüge gegen andere Völker. Am häufigsten führten sie gegen Slawen Krieg, um ihnen ihre fruchtbaren Wohngebiete zu entreißen und die Menschen zu Leibeigenen zu machen. Die Ostgrenze Deutschlands ging damals entlang an Elbe und Saale. Also kam Thüringen und Sachsen durch die Raubzüge der deutschen Feudalherren zu Deutschland. Das geschah um das Jahr 1000 nach unserer Zeitrechnung.

Kirche Von Reinsdorf Aus Der Festschrift Zum 700 Jährigen Bestehen Im Dezember 1940Wohl erst ein Jahrhundert danach kamen Siedler aus den alten deutschen Gebieten und gründeten Dörfer in dem eroberten Land. Wahrscheinlich waren es welche aus dem Süden unseres Vaterlandes, die sich auf der Höhe zwischen dem Göltzsch- und Elstertal niederließen.

Was die nächsten 200 bis 300 Jahre mit Reinsdorf geschah, ist nicht konkret bekannt, weil dafür keine aussagefähigen Niederschriften vorhanden sind. Sicher wird es in Archiven einzelne Akten und Urkunden geben, in denen auch von Reinsdorf die Rede ist, aber in dieser Zeit konnten nur wenige schreiben und lesen, und deshalb gab es nur wenig Geschriebenes. Das kam erst später auf,als sich nach und nach Handels- und Handwerksbürgertum entwickelten und Städte entstanden. Da wurden Kaufverträge aufgesetzt, gesellschaftliche Nachrichten geschickt, Schuldscheine ausgestellt, kurzum, das geschriebene Wort gewann an Bedeutung.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Reinsdorf auf einer Urkunde vom 01. Dezember 1380. An jenem Tag beauftragte der Offizial Heinemann von der Propstei Zeitz den Pfarrer von Reinsdorf (plebanus in Reynoldistorf) mit der Einführung des für die Pfarre von Greiz präsentierten Konrad von Machwitz in dessen neues Amt.

Die erste Reinsdorfer Kirche wurde wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet. Aus der Festschrift der Kirchgemeinde, anlässlich des 700 jährigen Jubiläums der Kirche von Reinsdorf, am 15. Dezember 1940 ist ersichtlich, dass diese im Jahr 1240 erbaut worden ist. Hierzu veröffentlichte der Geraer Forscher, Hermann Winter, der sich mit der Geschichte Ostthüringens intensiv beschäftigte, folgende Stellungnahme: "Sicher ist auf alle Fälle, dass Reinsdorf im Jahre 1380 bereits auf ein mehr hundertjähriges Bestehen zurückblicken konnte. Die pergamenten Urkunden weithin erst später ... Ich bin der Meinung, dass die 700 Jahr-Feier im Jahre 1940 nicht verfrüht war, lediglich der Bezug auf die Urkunde vom Jahre 1240 war falsch. Der Ort hat aber damals schon einige Jahrzehnte bestanden." Am 25. September 1411 bestätigte Heinrich Reuß von Plauen der Jüngere, die Stiftung eines Seelgerätes in der Kirche von Teichwolframsdorf durch Zinsen aus Reinsdorf.

Um 1550 dürfte die erste Reinsdorfer Schule eingerichtet worden sein. Dort fanden die Kinder des gesamten Kirchspieles, also von Reinsdorf selbst, Waltersdorf, Kahmer, Irchwitz, St. Adelheid, Schönfeld und Schwarzhammermühle, Aufnahme.

Nach der Greizer Landesteilung von 1564 gehörte Reinsdorf zur Herrschaft, ab 1673 zur Grafschaft Reuß-Untergreiz und von 1768 ab zu Reuß ältere Linie, Reuß-Greiz. Gerichtlich unterstand der Ort teils dem Amt Untergreiz, teils dem Patrimonialgericht des Rittergutes Schönfeld und teils dem Reinsdorfer Pfarrgericht.

Um 1580 waren in Reinsdorf fünf Amtsuntertanen und zwölf Rittergutsuntertanen nachweisbar. Demzufolge betrug die damalige Gesamteinwohnerzahl etwa 100 Personen.

Im Jahre 1720 wurde die heutige Reinsdorfer Kirche erbaut Sie ist wegen ihre kulturgeschichtlichen Werte in der Liste der denkmalgschützten Objekte des Kreises Greiz erfasst. Bei der Reuß-Greizer Volkszählung im Jahre 1811 hatte Reinsdorf 30 Häuser und 138 Einwohner. In der Folgezeit stieg die Einwohnerzahl beträchtlich an.

Ein Zeitbild ist in der "Kirchen-Galerie der Fürstlichen Reußischen Länder" aus dem Jahre 1843 überliefert:

"Reinsdorf liegt auf einer beträchtlichen Höhe, welche sich schon vor dem Dorfe in zwar wenig bemerkbarer, in der Mitte desselben aber in steiler Abspaltung ein tiefes Thal, von dem Friesenbach bewässert, nach Südost hinabzusenken beginnt, ist 5/4 Stunde von Reichenbach, 3/4 Stunde von Greiz, Mylau und Netzschkau entfernt und wird von den Communikationswegen nach den beiden letztgenannten Orten durchschnitten. Es umfasst 12 Bauerngüter, 11 Feldhäuser und 5 Kleinhäuser, von denen die ersten Decem an Roggen und Hafer an die Pfarre entrichten. Seine Bewohner, sowie die der übrigen Ortschaft, sind theils Landwirthe, theils Handwerker, vorzüglich Weber, und Tagelöhner, welche sowohl auf den Rttergütern zu Schönfeld, als in dem nahen Greiz in den Sommer-Monaten stete Beschäftigung und guten Erwerb finden, während in der Winterzeit aber mit Wollkämmen, denn der Wollhandel wird hier an einigen Orten lebhaft betrieben, sich beschäftigten. Lage und Umgebung sind anerkannt schön, zur Zierte der Letzten gehören mehrere im Norden gelegene kleine, waldige Anhöhen, Pöhle genannt, auf welchen, vornämlich dem Pfarrpöhl, dem Auge ein liebliches Panorama sich darbietet, besonders fesseln auf diesem die nahen Höhen des sächsischen Voigtlandes und das entferntere Erzgebirge, das man bis zur böhmischen Grenze mit unewaffnetem Auge überschaut, den Blick."

Seit dem März 1855 erfolgten Zusammenschluss der Ämter Obergreiz, Untergreiz und Dölau zum Justizamt Greiz war dieses untere Gerichts- und Verwaltungsbehörde für den zum bisherigen Untergreizer Amtsbezirk gehörigen Ortsteil von Reinsdorf. Die zwei weiteren Reinsdorfer Ortsteile unterstanden bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1868 dem Rittergut Schönfeld und der Reinsdorfer Pfarre.

Zu neuzeitlichen Umgestaltungen kam es bei der im Jahre 1868 in Reuß ältere Linie vorgenommenen Trennung von Verwaltung und Justiz. Fortan unterstand der gesamte Ort Reinsdorf gerichtlich dem Justizamt Greiz II; seit Oktober 1879 dem Amtsgericht Greiz und verwaltungsmäßig dem Landratsamt Greiz.

Durch die allgemeine Entwicklung und namentlich durch die Industrialisierung im Raum Greiz-Reichenbach um 1880, nah im Ort die Zahl der Einwohner ohne landwirtschaftlichen Hintergrund zu. Das betraf insbesondere die Anzahl der Fabrikarbeiter. Die Einwohnerzahl stieg von 273 im Jahre 1871 auf 387 im Jahre 1885 an.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts änderten sich auch die schulischen Verhältnisse. Vom Reinsdorfer Schulverband lösten sich Kahmer im Jahre 1850, Irchwitz mit St. Adelheid im Jahre 1881 und Schönfeld schrittweise in der Zeit von 1908 bis 1910.

Nach dem Sturz der Monarchie in der Novemberrevolution von 1918 gehörte Reinsdorf zu dem im November von 1918 geschaffenen Freistaat Reuß ältere Linie und von April 1919 ab zum Volksstaat Reuß. Am 01. Mai 1920 kam die Landgemeinde Reinsdorf an das Land Thüringen und schließlich ab 01. Oktober 1922 zum Landkreis Greiz. Gerichtlich war ab 01. Oktober 1923 das Thüringische Amtsgericht Greiz zuständig. Die Einwohnerzahl betrug nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 16. Juni 1925 insgesamt 296 Personen.

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Postkarte Schramm 12

Auf der historischen Postkarte ist Reinsdorf mit Blick vom Pfarrbühl zu sehen. Die Abbildungen darunter zeigen das Gasthaus "Zur Sonne", die heutige Gaststätte "Zur Salzmest", und den Reinsdorfer Dorfteich. Auf fast allen Postkarten ist die in unmittelbarer Nähe stehende Göltzschtalbrücke abgebildet. Die größte Ziegelsteinbrücke der Welt zählt zweifelsohne zu einer touristischen Attraktion der besonderen Art.

Postkarte Schramm 9

Bei dem Gebäude im oberen Bildteil handelt es sich um die ursprüngliche Restauration "Zur Salzmest" in Waltersdorf. Waltersdorf gehört seit der Gebietsreform 1954 zu Reinsdorf und ging 1994 als gemeinsamer Ortsteil an die Stadt Greiz über. Das Gebäude der ehemaligen "Salzmest" steht heute noch und befindet sich unter Hausnummer 30 in der Straße "An der Salzmest" in Reinsdorf.

Postkarte Schramm 11

Diese Postkarte zeigt im unteren Bildteil eine schone Ansicht der heutigen Gaststätte "Zur Salzmest", bewirtschaftet von Christian Taubert. Oben quer die Stallungen des Landwirtschaftsbetriebs von Werner Taubert. Das Wirtschaftsgebäude im linken Bildteil ist einer sich gut ins Ortsbild einfügenden Wohnanlage gewichen.

(Historische Postkarten von Folger Schramm aus Greiz-Irchwitz)